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Ausgebranntsein
oder englisch Burnout-Syndrom
(engl. to burn out: „ausbrennen“)
bezeichnet einen besonderen Fall
berufsbezogener (auch familiärer)
chronischer Erschöpfung. Erstmalig
verwendete der Psychoanalytiker
Herbert Freudenberger 1974 den Begriff.
Ständige
Frustration, das Nichterreichen
eines Zieles, zu hohe persönliche
Erwartungen an eigene Leistungen,
Überlastungen etc. können
erschöpfen. Die Burnout-Syndrome
sind vielfältig und individuell
unterschiedlich in Auftreten und
Ausmaß: Depressionen und auch
physiologische Beschwerden, wie
Schlafstörungen, Kopfschmerzen,
Magenkrämpfe oder körperliche
Dysfunktionen. Typisch sind auch
Schuldgefühle oder Versagensängste.
Der „Ausgebrannte“ erlebt
seine Umwelt im allgemeinen als
nicht mehr kontrollierbar und zieht
sich eher in sich zurück, ohne
eventuelle Hilfe (von Verwandten
oder Freunden) anzunehmen. Bisweilen
unterstützen Psychologen und/oder
Ärzte, etwa in einer Psychotherapie.
Burn-out
heißt in der im deutschen
Gesundheitswesen verbindlichen 10.
Auflage der „Internationalen
Klassifikation der Erkrankungen“
– kurz ICD-10 – als
„Ausgebranntsein“ und
„Zustand der totalen Erschöpfung“
mit dem Diagnoseschlüssel Z73.0
erfasst. Früher ging man davon
aus, dass hohe Arbeitsbelastung
insbesondere in „helfenden
Berufen“ (Ärzte, Pflegeberufe,
Lehrer, Sozialarbeiter, Erzieher)
ausbrennen lässt (häufige
Krankschreibung, Arbeitsunfähigkeit
oder Frühverrentung). Inzwischen
ist klar: Burnout kann nahezu alle
Berufsgruppen treffen, unter anderem
auch Schüler.
Das
Syndrom war etwa im Blickfeld der
Medien, nachdem einige Fälle
unter Sportlern und Musikern bekannt
wurden. Der Skispringer Sven Hannawald
hat deswegen seine Karriere beendet;
der Fußballer Sebastian Deisler
(FC Bayern München) litt unter
dieser Krankheit; der Jazz-Pianist
Herbie Hancock hat eine jahrelange
Zwangspause eingelegt, der Rapper
Eminem eine Tournee abgesagt.
Charakteristische
Merkmale / Die Burnout-Symptome:
Die
hier genannten können ggf.
und in anderer Reihenfolge auftreten.
Warnsymptome der Anfangsphase:
Zunächst
gibt es die Theorie, die besagt:
„Wer ausbrennt, muss einmal
gebrannt haben.“
Auffallende
Merkmale der Anfangsphase sind beispielsweise:
vermehrtes
Engagement für bestimmte Ziele
man arbeitet nahezu pausenlos
verzichtet auf Erholungs- oder Entspannungsphasen
fühlt sich unentbehrlich und
vollkommen
um das darzustellen, entwerten Betroffene
häufig andere Teammitglieder
und machen sich so bei Kollegen
unbeliebt
der Beruf wird zum hauptsächlichen
Lebensinhalt
Hyperaktivität
Nichtbeachten eigener Bedürfnisse
Verdrängen von Misserfolgen
Beschränkung sozialer Kontakte
auf einen Bereich, z.B. die Kunden
Erschöpfung
chronische Müdigkeit
Energiemangel
Konzentrationsschwäche
Schlafstörungen
Drehschwindel
Dass auch akute Überbelastung
z.B. in Grenzlagen zu Burnout führen
kann, ist noch genauer zu erforschen.
Reduziertes Engagement:
Die
völlige Hinwendung zu einem
Bereich, z.B. zum Klienten in der
Arbeit, kann nach einiger Zeit genau
das Gegenteil hervorrufen, nämlich
den Rückzug.
Folgende
auffallende Merkmale sind zu beobachten:
der
Patient verliert die positiven Gefühle
gegenüber dem Klienten
Stereotypisierung
Distanzbedürfnis und Meidung
von Kontakten
Schuldzuweisungen
verstärkte Akzeptanz von Kontrollmitteln,
Strafen, Medikamenten
negative Einstellung und Vernachlässigung
der Arbeit verstärkter Rückzug
von Problemen mit anderen, oder
von der Familie, den Partnern, Freunden
etc., da auch in anderen Bereichen
Reden und Zuhören zum Problem
wird der Patient stellt erhöhte
Ansprüche an sein Umfeld und
hat häufig das Gefühl
ausgenutzt und nicht genug anerkannt
zu werden.
Schuldzuweisungen
als emotionale Reaktion:
Die
mit Burnout verbundenen Probleme
führen besonders zur Desillusionierung
und fordern oft das Aufgeben von
wichtigen Lebenszielen. Dies ist
sehr schmerzlich und muss verarbeitet
werden. Um die Aufarbeitung zu vermeiden,
kommt es häufig zu Schuldzuweisungen.
Diese kann sich entweder in Form
einer Depression gegen sich selbst
oder in Form von Aggressionen gegen
andere wenden.
Bei
Depression fühlen sich die
Patienten hilflos, sie entwickeln
Schuldgefühle und mindern ihr
Selbstwertgefühl.
Bei
Aggression werden verstärkt
der Umwelt Vorwürfe gemacht
- beispielsweise in der Arbeit Veränderungen
blockiert und es kommt häufiger
zu Wutausbrüchen.
Bei
Depression und Aggression ist das
Burnout meist noch in einem Stadium,
in dem man die Probleme, wenn man
sie ernst nimmt, erfolgreich lösen
kann.
Abbau:
Burnoutprobleme
über längere Zeit führen
zu einem Abbau des Engagements,
der zunächst in der Arbeit
sichtbar wird.
Folgende
Symptome fallen hier besonders auf:
Desorganisation
Unsicherheit
Probleme bei komplexen Aufgaben
und Entscheidungen, verringerte
kognitive Leistungsfähigkeit
Verminderte Motivation und Kreativität
die Arbeit wird gerne auf den Dienst
nach Vorschrift reduziert
Auch das Privatleben wird beeinträchtigt:
Die Betroffenen ziehen sich immer
mehr zurück, pflegen kaum mehr
Freundschaften, trennen sich vom
Partner; unternehmen sie nichts
dagegen, vereinsamen sie.
Verflachung:
Zudem
kommt es nicht nur zum Abbau in
der Arbeit, sondern auch generell
zur Verflachung des emotionalen,
mentalen und sozialen Lebens.
Folgende
Symptome treten häufig auf:
Gefühle
wie Gleichgültigkeit, Einsamkeit
und Desinteresse
Konzentration auf die eigene Person
Probleme bei sozialen Kontakten:
Vermeidung von Kontakten
übertriebene Bindung an eine
bestimmte Person
ständige Suche nach interessanteren
Kontakten
Psychosomatische
Reaktionen:
Es
kommt zu einer Schwächung des
Immunsystems und so häufiger
zu Infektionskrankheiten. Weitere
psychosomatische Erkrankungen sind
oft Verspannungen, Schlafstörungen,
Kreislaufprobleme, Verdauungs- und
Essstörungen sowie bei fortgeschrittener
Erkrankung auch Herzkrankheiten
und Geschwüre im Magen-Darm-Trakt.
Weiterhin kommt gesteigerter Drogenkonsum
vor, unter anderem auch Alkoholmissbrauch.
Verzweiflung:
Ein
weiteres Symptom, das überwiegend
im Endstadium des Burnout auftritt,
ist die existenzielle Verzweiflung.
Die Einstellung zum Leben ist überwiegend
negativ und das Gefühl der
Hilflosigkeit verdichtet sich zur
totalen Sinnlosigkeit, die teilweise
im Suizid endet.
Zusammenfassung:
Fasst
man die charakteristischen Merkmale
des Syndromes zusammen, so ist insbesondere
körperliche und emotionale
Erschöpfung zu nennen; des
weiteren anhaltende physische und
psychische Leistungs- und Antriebsschwäche,
sowie der Verlust der Fähigkeit,
sich zu erholen. Ebenso ist eine
zynische, abweisende Grundstimmung
gegenüber Kollegen, Klienten
und der eigenen Arbeit festzustellen.
Burnout ist nicht nur ein persönliches
Problem des Betroffenen, sondern
gefährdet aufgrund seiner „ansteckenden“
Natur das berufliche Umfeld. Auch
wenn sich die Krankheitshäufigkeit
(Prävalenz) des Burnout-Syndroms
noch nicht feststellen lässt,
wird eine allgemeine Steigerung
des Burnout-Risikos aufgrund sich
verändernder Lebens- und Arbeitsbedingungen
erwartet.
Messung:
Es
gibt viele Theorien zum Burnout,
eine Menge nur selten qualitativ
überprüfte Fragebögen
und Checklisten - und generell zwei
anerkannte Methoden:
Das
Maslach-Burnout-Inventory –
MBI, bei dem Aussagen aus den Kategorien
Emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung
und Leistungszufriedenheit nach
Intensität und Häufigkeit
beantwortet werden müssen.
Inhaltlich deckt dieser Fragebogen
die wichtigsten Aspekte von Burnout
ab. Ein Nachteil des Instruments:
die Fragen jeder Kategorie weisen
alle in die gleiche Richtung.
Das Tedium Measure – TM in
dem Aussagen nur bzgl. ihrer Häufigkeit
beantwortet werden.
Phasen
des Burnout-Syndroms:
Burnout
ist immer als ein Prozess zu verstehen,
den man in Phasen unterteilen kann.
Es gibt allerdings nicht den typischen
Verlauf des Burnout. So wurden zahlreiche
Phasentheorien entwickelt, unter
anderem von Herbert Freudenberger,
Lauderdale, Jerry Edelwich, Cristina
Maslach, Stevan Hobfoll und Cary
Cherniss. Freudenberger und Lauderdale
haben überwiegend Fälle
aus der Wirtschaft betrachtet, während
sich J. Edlewich, C. Maslach, und
C. Cherniss mit solchen aus helfenden
Berufen befasst haben. Hobfoll geht
auf beide Gruppen ein.
H. Freudenberger:
Hier
wird eine Entwicklung von einem
empfindsamen zu einem empfindungslosen
Stadium beschrieben.
empfindsames
Stadium: Negative Gefühle werden
nicht beachtet, ein hoher Energieeinsatz
zum Erreichen gewohnter Leistungen
aufgebracht und chronische Müdigkeit
verdrängt.
empfindungsloses Stadium: es treten
Symptome wie Gleichgültigkeit,
Schuldzuschreibungen an die Umwelt,
Angst nicht anerkannt zu sein und
Desorientierung auf.
Lauderdale:
Lauderdale
beschreibt einen Weg von der Verwirrung
über die Frustration zur Verzweiflung:
Verwirrung:
In
diesem Anfangsstadium hat der Patient
das grundlegende Gefühl, dass
irgendetwas nicht in Ordnung ist.
Begleitend treten gelegentliche
grundlose Angst und beginnende körperliche
Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen
etc auf.
Frustration: In diesem fortgeschritten
Stadium machen sich Gefühle
wie Ärger, Unzufriedenheit,
Gereiztheit und das Gefühl
ausgenutzt, betrogen zu werden breit.
Es folgt oft eine Flucht, z.B. durch
einen Arbeitsplatzwechsel, oder
die Flucht in Drogen, Medikamente,
... Die körperlichen Beschwerden
verstärken sich zunehmend.
Verzweiflung: Gefühle von Sinnlosigkeit,
Versagen, Misstrauen treten verstärkt
auf. Es kommt zu schneller Erschöpfung,
das Leben wird so weit es geht mechanisiert,
der Patient zieht sich zurück
und fällt in Apathie.
J.
Edelwich:
Auch
bei dieser Theorie wird ein Prozess
über mehrere Phasen hinweg
erläutert:
idealistische
Begeisterung, verbunden mit Selbstüberschätzung,
hohem Energieeinsatz sowie Überidentifizierung
mit der Arbeit und den Klienten
Stillstand nach ersten Enttäuschungen
Orientierung hin zu eigenen Bedürfnissen
in der Arbeit, z.B. zur Karriere
Frustration, die von der Erfahrung
eigener Erfolg- und Machtlosigkeit
sowie Problemen mit der Bürokratie
und der scheinbar mangelnden Anerkennung
durch die Klienten ausgelöst
wird körperliche Beschwerden,
Essprobleme und Drogenkonsum
Apathie und Verzweiflung
fallspezifische Intervention
C.
Maslach:
Diese
Theorie gliedert den Krankheitsablauf
in folgende Phasen:
emotionale
und physische Erschöpfung
Rückzug: Der Erschöpfung
folgen negative Gefühle gegenüber
anderen, wie Kollegen, Patienten,
Klienten, etc., aber auch gegen
sich selbst. Es kommt zu Dehumanisierung
und Zynismus und der Betroffene
zieht sich verstärkt zurück.
Die Arbeit wird auf das Notwendigste
reduziert, Veränderungen und
Probleme gemieden.
In einem terminalen Stadium verstärkt
sich der Widerwillen gegen andere
und sich selbst und ein Gefühl
reduzierter Leistungsfähigkeit
entsteht.
C.
Cherniss:
Cherniss
zeigt folgende drei Phasen auf:
Die
vorrangige Ursache ist Stress im
Beruf, da die Anforderungen dort
die eigenen Fähigkeiten und
Ressourcen übersteigen
Daraufhin kommt es zu einem Stillstand,
bei dem sich Gefühle wie Angst,
Spannung, Reizbarkeit und Erschöpfung
breitmachen.
Es folgen defensive Bewältigungsversuche
durch emotionale Abkoppelung, Rückzug
und Zynismus.
S.
Hobfoll:
Hobfoll
beschreibt die Entwicklung von Ressourcenverlusten
im Kontext der Burnout-Symptomatik
nach Maslach, sagt aber keine Auftretensreihenfolge
der drei Burnout-Komponenten vorher,
sondern postuliert, dass die Existenz
einer Komponente die Auftretenswahrscheinlichkeit
der beiden anderen erhöht (Buchwald
& Hobfoll, 2004). Im Rahmen
der Theorie der Ressourcenerhaltung
sehen Hobfoll und Buchwald den Verlauf
von Burnout als einen Prozess, bei
dem bestehende Ressourcen durch
eine permanente Arbeitsbelastung
schneller aufgebraucht als ersetzt
werden können. Anfängliche
Ressourcenverluste können in
eine Spirale fortschreitender Verluste
münden. Verlustspiralen entstehen
vor allem bei Menschen, denen es
bereits in der Ausgangssituation
an adäquaten Ressourcen mangelt.
Im Unterschied zu extremen Stressereignissen,
bei denen man rasante Ressourcenverlustspiralen
beobachten kann, findet bei Burnout
ein eher langsames, aber stetiges
Versiegen von multiplen Ressourcen
statt. Dieses allmähliche,
oft kaum merkliche Verrinnen der
Ressourcen im Laufe des Arbeitsprozesses
ist ein schleichender Prozess, der
jedoch im Endeffekt der Wirkung
von extremem Stress kaum nachsteht
(Hobfoll, 1998).
Zusammenfassung:
Die Phasen könnte man folgendermaßen
zusammenfassen:
Enthusiasmus
Stagnation
Frustration
Apathie
Burnout
Diese Phasen lassen sich vor allem
gut an den helfenden Berufen aufzeigen.
Es wird mit großem Idealismus
und guten Vorsätzen an eine
Tätigkeit heran gegangen (Phase
Enthusiasmus). Die Person merkt
aber, dass sie durch ihr Handeln
keine Fortschritte erzielt. Stagnation,
womöglich Rückschritte
frustrieren, machen zynisch gegenüber
der Klientel. In der Phase der Apathie
ist die berufliche Tätigkeit
nur noch unter großen Anstrengungen
auszuüben. Man ist unmotiviert,
sich neue Ziele zu stecken und häufig
fehlt auch das Bewusstsein für
seine eigene Situation. In der Phase
wirken die Betroffenen äußerst
phlegmatisch und können sich
selbst zu nichts mehr antreiben,
weder beruflich noch privat. Hier
sind auch erste körperliche
Anzeichen von Erschöpfung sichtbar.
Hält dieser Zustand länger
an, spricht man vom Burnout-Syndrom.
Ursachen:
Die
Ursachen für Burnout lassen
sich v.a. im persönlichen,
im sozial-, und organisationspsychologischen
und im gesellschaftlichen Bereich
finden.
Persönliche Ursachen:
Folgende
persönliche Aspekte
begünstigen den Burnout:
Neurotizismus:
Eigenschaften wie Ängstlichkeit,
mangelnde Selbstachtung, Neigung
zu Irritationen, Sorgen und Depressionen,
Neigung zu Zwanghaftigkeit, Schuldanfälligkeit
und ein labiles Selbstwertgefühl
sind bei Ausbrennern auffällig.
Perfektionsstreben: Ausbrenner setzten
sich oft zu hohe Ziele und haben
Probleme, Kompromisse einzugehen.
Das wirkt sich nachhaltig auf ihre
Handlungsplanung und -bewertung
aus.
Helfersyndrom: Es wird versucht,
Versagenserlebnisse und versagte
Zuwendung in der Kindheit nun durch
die eigene soziale Tätigkeit
zu kompensieren. Der Helfer gibt
die Zuwendung, die er empfangen
möchte. Personen mit dem Helfersyndrom
versuchen, ihr labiles Selbstwertgefühl
durch die Aufopferung an eine große
Aufgabe und die damit verbundene
Dankbarkeit vieler Hilfsempfänger
zu stabilisieren.
besondere persönliche Defizite:
Eine schlechte Ausbildung, die Misserfolge
provoziert und die Unfähigkeit,
anderen Grenzen zu setzen, können
den Burnout begünstigen.
ADHS-Betroffene sind generell einer
erhöhten Burnoutgefahr ausgesetzt
Soziale
und organisationspsychologische
Ursachen:
Folgende
Ursachen für Burnout stehen
besonders in Zusammenhang mit den
Umweltfaktoren der Helfer: Ein Wechsel
der Arbeitssituation, wie z.B. der
Einstieg in den Beruf, ein Wechsel
des Vorgesetzten, ein Wechsel der
Arbeitsstelle oder ähnliches
sind häufig Auslöser für
das Burnout-Syndrom. Dabei ist ein
guter Einführungsprozess vor
allem bei Berufsanfängern als
vorbeugende Maßnahme sehr
wichtig. Die Arbeitsbelastung stellt
eine weitere Einflussgröße
dar. Eine konfliktreiche Rolle,
die Unmöglichkeit, sich das
Klientel auszusuchen, für den
Betroffenen schwieriges Klientel,
die zeitliche und organisatorische
Unmöglichkeit, mit dem Klientel
befriedigend zu arbeiten und zeitraubende
sinnlose Verwaltungsarbeit fördern
Burnout. Auch das Ausmaß der
intellektuellen Anregung beeinflusst
das Burnout-Risiko. Je mehr der
Alltag von immer gleicher Routine
ohne Herausforderungen bestimmt
ist, desto höher ist das Burnout-Risiko.
Weiterhin wird Burnout begünstigt
durch zu sachlichen, zu einseitigen
und zu unpersönlichen Kundenkontakt
und durch mangelnde Möglichkeiten
des Helfers, sich selbst in die
Arbeit einzubringen und eigene Entscheidungen
zu treffen. Zudem fördert es
Burnout, wenn die Ziele und Erfolgskriterien
der Arbeit nicht klar definiert
sind, wenn das Team nicht die gleichen
Ziele verfolgt oder wenn der Helfer
Ziele verfolgen muss, die gegen
seine eigene Wertvorstellungen verstoßen.
Außerdem wird Burnout durch
„schlechten“ Kontakt
zum Vorgesetzten begünstigt,
wenn Betroffene beispielsweise zu
wenig Rückmeldung, Lob und
Anerkennung bekommen. Auch zu starke
Kontrolle und schlechtes Arbeitsklima
steigern die Burnout-Gefahr. Auch
im Kontakt mit Kollegen kann Burnout
mitverursacht werden, wenn der Betroffene
Gleichgültigkeit erfährt,
keinen Rat und Unterstützung
erhält und ihm keine emotionale
und strategische Rückendeckung
gegeben wird. Ein weiterer Faktor
sind die „professional mystiques“:
Durch Ausbildung und Massenmedien
werden falsche Bilder vermittelt
wie beispielsweise, dass der Berufsstatus
bereits Kompetenz garantiere und
diese wiederum hohe Erfolgsraten,
dass Klienten grundsätzlich
kooperativ und dankbar, Kollegen
hilfsbereit und solidarisch seien.
Weitere wichtige Umweltfaktoren
sind private Probleme in Familie
oder Partnerschaft, Einsamkeit oder
ein schwaches soziales Umfeld. In
großen Organisationen kommen
dazu noch spezielle Faktoren wie
z. B. zu wenig Autonomie und eigene
Entscheidungsfreiheit in der Arbeit
sowie Rollenambiguität und
-konflikte. Hier ist die Gefahr
größer, dass mehrere
Menschen die gleichen Aufgaben erledigen,
dass Unübersichtlichkeit herrscht
und dass der Einzelne Aufgaben übernehmen
muss, für die er nicht ausgebildet
ist.
Objektive Belastungsfaktoren,
Stress:
Die
Bedeutung der objektiv feststellbaren
Arbeitsbelastung stellt eine Einflussgröße
dar, deren Bedeutung nicht unterschätzt
werden sollte. Dazu gehören:
Massive körperliche Belastungen
durch Heben von Gewicht (insbesondere
einseitiges Heben), häufiger
starker Wechsel der Umgebungstemperaturen
ohne entspr. Schutzkleidung, starke
oder gesundheitsschädliche
Beschallung, deutlich wechselnde
tägliche Arbeitszeiten (oft
Schaukeldienste genannt) und häufige
oder lang anhaltende Nachtdienste.
Belastbar
erscheinende Mitarbeitende werden
vermehrt Überstunden oder besonders
belastenden Arbeitsbedingungen ausgesetzt.
Deren Selbstüberforderung wird
durch die Vorgesetzten evtl. nicht
erkannt. Auch der Druck von Vorgesetzten
ist zu erwähnen, Überstunden
z. B. zur Erreichung von Arbeitszielen
zu leisten. Dies reduziert natürlich
deren Fähigkeit die Fürsorgepflichten
als Arbeitgeber-Vertreter wahrzunehmen.
Im biologischen Stress-Modell wird
von einer vorübergehenden starken
Belastbarkeit ausgegangen, die allerdings
ausreichende Erholungsphasen erfordert.
Sonst ist danach mit einem Zusammenbruch
des gesamten Organismus und seiner
Abwehrfunktionen zu rechnen.
Gesellschaftliche Ursachen:
Auch
in gesellschaftlichen Zuständen
und Veränderungen lassen sich
Ursachen für den Burnout finden:
Der
Zerfall familiärer und kommunitärer
Bindungen bewirkt wachsende Anonymität
und Unpersönlichkeit. So wird
eine narzisstische, selbstbezogene
Charakterstruktur mit Angst vor
Abhängigkeit, innerlicher Leere
und Problemen bei tiefen persönlichen
Bindungen gefördert. Dadurch
wird die Arbeit umso höher
als Befriedigungsquelle mit Erwartungen
besetzt. Dies hat zur Folge, dass
die Menschen nicht mehr bereit sind,
Arbeitsbedingungen zu akzeptieren,
die nicht optimal sind und sie nicht
optimal befriedigen.
Eine weitere Ursache liegt im Wertewandel,
insbesondere in der Einstellung
zur Religion. Religion, die früher
größeren Einfluss hatte
und die Wechselfälle des Lebens
oft eher als göttliche Fügung
dargestellt hat, verliert ihre Bedeutung.
Individuelle menschliche Entscheidungen
haben heute Vorrang vor dem Einfluss
höherer Mächte, was Unzufriedenheit
und damit Burnout fördert.
Darüber hinaus wird durch die
Verschlechterung der Wirtschaftslage
Arbeitslosigkeit immer mehr zum
Problem. Menschen in helfenden Berufen
bleiben aus Angst vor Arbeitslosigkeit
eher an Stellen mit schlechten Arbeitsbedingungen,
was sie unzufrieden macht und das
„Ausbrennen“ erleichtert.
Durch die unsichere Marktlage, in
der der einzelne keine sichere Lebensplanung
mehr durchführen kann, ist
der Mensch stark verunsichert. Wachsende
Komplexität aller Prozesse
des modernen Lebens sorgt tendenziell
für Autonomieeinbußen
und Stress, da der Mensch immer
mehr auf Maschinen und Spezialisten
angewiesen ist. Der Mensch wird
mehr auf bestimmte Rollen festgelegt,
kann nur noch Teilbereiche des Lebens
bestimmen und bewältigen und
ist oft damit überfordert.
Durch die Spezialisierung innerhalb
der helfenden Berufe werden gesellschaftlich
hohe Erwartungen an helfende Berufe
gestellt. Dabei werden als bürokratisch
empfundene Kontrollsysteme eingeführt,
die durch das Einführen von
als irrelevant empfundenen Erfolgskriterien,
aus der Sicht der von Burn-Out Betroffenen
sinnvolle Arbeit erschweren.
Behandlung:
Patienten
mit Burnout-Syndrom müssen
durch professionelle Hilfe unterstützt
werden. In den Anfangsphasen können
teilweise noch ausgedehnte Erholung,
z. B. in Form einer Kur, oder ein
Arbeitsplatzwechsel ausreichend
Hilfe leisten. Im fortgeschrittenen
Stadium vergeht ein Burnout-Syndrom
nicht „einfach“ wieder.
Die Betroffenen werden in einer
gezielten Psychotherapie behandelt,
die helfen soll, die eigene Leistungsfähigkeit
besser einzuschätzen und zukünftige
Leistungsanforderungen realistischer
zu stellen, damit künftige
Überforderungen verringert
werden. Zusätzlich werden in
letzter Zeit auch natürliche
Präparate als Ergänzung
dem Patienten verschrieben (Johanniskraut-Monopräparate
und/oder Johanniskraut-+Passionsblume-+Baldriankombinationen),
da diese auf die Serotonin-Aufnahme
und damit auf die Stimmung positiv
Einfluss nehmen.
Präventive Maßnahmen:
Generell
so wird vermutet, kann der oder
die individuell Betroffene, das
Team und auch die Institution durch
verschiedene Maßnahmen von
Gesundheitsförderung dem Burnout
vorbeugen. Hierzu wird u.a. auf
die Konzepte Salutogenese, Coping,
Selbstwirksamkeit und Empowerment
verwiesen:
Individuelle
Vorbeugungsmaßnahmen:
Für
Burnout-Gefährdete ist es sehr
wichtig, sich selbst Zeit und Raum
zum Ausruhen und Regenerieren sowie
für Ausgleichsmöglichkeiten
wie Sport, Musik oder andere Hobbys
zu geben. Aber auch Gebet und Meditation
oder andere Dinge, die dem Einzelnen
ermöglichen, Ruhe und Entspannung
zu erfahren, indem sie die Aufmerksamkeit
gezielt von dem Belastungsbereich
weglenken, können geistig und
körperlich sehr entlastend
wirken.
Zudem
ist es wichtig, die notwendige Distanz
zur Arbeit zu behalten oder zu schaffen,
um ihr aus einem neuen Blickwinkel
zu begegnen und möglicherweise
unrealistische Vorstellungen zu
korrigieren.
Entlastungsmöglichkeiten
im Team:
Auch das Team ist für realistische
Arbeitspläne und -umsetzungen
mitverantwortlich. Hier sollten
dem Einzelnen wenn möglich
an seine Fähigkeiten angepasste,
begrenzte und realistische Aufgaben
zugeteilt werden. Zudem sollte das
Team im Idealfall auch ein Raum
für Austausch, Feedback und
gegenseitige Begleitung sein.
Vorbeugung durch
Arbeitgeber bzw. die Institution:
Der Einhaltung der Arbeitsschutzbestimmungen
ein größeres Gewicht
zu geben als einer vorrangigen Geschäfts-Ziel-Erreichung
im ökonomischen Sinn. Dabei
handelt es sich nicht nur um gesetzliche
Pflichten sondern auch um ethische
Normen, zu denen sich Unternehmen
verpflichten (sollten), vergleiche
hierzu die Diskussion um ein Unternehmens-Leitbild.
Weitere Vorbeugungsangebote
der Institutionen um ihre Mitarbeitern
vor Überlastungen zu schützen
und dem Burnout vorbeugen, kann
es sein, Raum für Reflexion
im Team zu geben, z. B. in Form
von Supervisionen.
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